Die Besonderheiten von Google-Bewertungen im B2B-Umfeld

Marketing Blog19.08.2025

Google Bewertungen sind seit langem eine wichtige Orientierungshilfe, um sich ein erstes Bild von einem Unternehmen zu machen. Der Mechanismus ist ähnlich wie bei den Amazon-Bewertungen: Man traut dem Wahrheitsgehalt der Bewertungen nicht vollständig über dem Weg, aber in der Summe beeinflussen sie einen. Aus diesem Grund sind Unternehmen und Unternehmer verstärkt bemüht, hier positive Bewertungen zu erlangen.

Anfangs waren Google-Bewertungen vor allem im B2C-Bereich von Bedeutung. In den letzten Jahren konnten diese aber auch im B2B-Umfeld zunehmend an Relevanz gewinnen. Doch hier gibt es – wie im B2B-Geschäft so häufig anzutreffen – viele unerwartete Fallstricke. Im Folgenden erfahren Sie mehr über die Besonderheiten, die es bei Google Bewertungen im B2B-Umfeld zu beachten gibt, und darüber, wie man trotz erhöhter Anforderungen eine gute Bewertungsbasis aufbauen kann.

1. Google-Bewertungen spielen eine gewichtige Rolle – auch in der Zukunft

Google Bewertungen sind eine zentrale Säule für Vertrauensbildung
Im digitalen Wettbewerb um Aufmerksamkeit reicht es längst nicht mehr aus, allein ein hochwertiges Produkt oder eine überzeugende Dienstleistung anzubieten. Sichtbarkeit ist heute ein wesentlicher Erfolgsfaktor, und dies auch im B2B-Bereich. Denn komplexe Geschäftsentscheidungen beginnen meist mit einer einfachen Recherche: Wer liefert zuverlässig? Wer genießt Vertrauen? Wer wird empfohlen?

Ein zentrales Element sind digitale Reputationen, die öffentlich einsehbar, leicht auffindbar und im Idealfall positiv geprägt sind. Google Bewertungen kommt hier eine besondere Bedeutung zu, denn mit einem Marktanteil von 79,9 Prozent weltweit dominiert es die Suchmaschinenlandschaft. (Statista Research Departement, Juli 2025).

Google-Bewertungen als wichtiger Faktor für die KI-Sichtbarkeit
Neben der Orientierungshilfe für potenzielle Kunden spielen Google-Rezensionen auch eine zentrale Rolle für die Vertrauenswürdigkeit gegenüber LLM-Suchmaschinen. Mehr zu diesem spannenden Thema erfahren Sie in unserem Artikel „Externer Trust: Schlüssel zur KI-Sichtbarkeit“.

Aus diesem Grund beschäftigen sich auch zunehmend B2B-Unternehmen mit dem Thema Google Bewertungen. Hier ist aktuell ein Wettlauf um KI-Sichtbarkeit losgetreten worden, an dem kein Unternehmen mehr vorbeikommt, wenn es nicht den Anschluss verlieren möchte.

2. Die Systemlogik hinter Google-Bewertungen wurzelt im B2C-Kontext

Das Grundprinzip ist die authentische Nutzererfahrung
Google verfolgt mit seinem Bewertungssystem ein klares Ziel: Es sollen authentische, unabhängige Nutzererfahrungen abgebildet werden, die nicht beeinflusst, nicht bezahlt und nicht im Kontext mit einer geschäftlichen Beziehung stehen. Die ideale Bewertung entsteht laut Google aus Eigeninitiative, nach einem klar abgrenzbaren Erlebnis, ohne finanzielle oder organisatorische Verflechtung zwischen Bewertendem und Bewertetem.

Das Grundprinzip ist auf B2C ausgelegt
Dieses Prinzip funktioniert hervorragend im B2C-Umfeld. Denn hier besuchen Kunden zum Beispiel ein Restaurant, buchen eine Unterkunft oder kaufen ein Produkt und geben anschließend eine Bewertung ab. Das Google-System ist optimiert auf Masse, Schnelligkeit und Skalierbarkeit. Es ist konzipiert für Alltagssituationen, die ohne eine dauerhafte Geschäftsbeziehung auskommen.

3. B2B trifft B2C-Bewertungsalgorithmus: Ein strukturelles Dilemma

B2B-Bewertungen müssen mühsam erbettelt werden
Im B2C ist die Hemmschwelle für Google-Bewertungen deutlich niedriger als im B2B-Bereich. Einkäufe oder Dienstleistungen wie Restaurantbesuche, Hotelaufenthalte oder Technikprodukte sind unmittelbar erfahrbar und oft emotional geprägt. Daher werden positive wie negative Erlebnisse schnell öffentlich geteilt.

Im B2B-Bereich ist es dagegen viel aufwändiger, aussagekräftige Google-Bewertungen aufzubauen, und noch schwerer, diese auch dauerhaft sichtbar zu halten. Dies liegt zum einen daran, dass Geschäftskunden seltener öffentlich rezensieren, und zum anderen daran, dass die bewerteten Leistungen fast immer auf formalen Vertragsverhältnissen beruhen. An diese sind oft Bedingungen geknüpft, die eine Bewertung verhindern.

 Google wertet Vertragsbeziehungen, d.h. das Wesen des B2B, als Interessenkonflikt
Als wäre es im B2B nicht schon herausfordernd genug, überhaupt Bewertungen zu bekommen, so erschwert die seit 2025 verschärfte Google-Policy dies noch zusätzlich. Denn Interessenkonflikte werden nun noch konsequenter geahndet. Sobald also ein Zusammenhang zwischen den beteiligten Unternehmen erkannt wird, wie etwa durch Verlinkungen auf der Website, gemeinsame Auftritte auf Social Media oder personelle Überschneidungen, steigt das Risiko, dass eine Bewertung automatisiert gelöscht wird. Denn das System kann nicht unterscheiden, ob ein Kunde freiwillig seine Meinung äußert oder dies Teil eines abgestimmten Bewertungsprozesses ist.

Das hat zur Folge, dass viele ehrliche, sachlich formulierte Bewertungen im B2B-Bereich entfernt werden, weil sie nicht in das System passen. Eigentlich ist es paradox, weil sie ja für die Praxis besonders wertvoll wären.

4. Tipps für den Reputationsaufbau über Google im B2B-Bereich

Trotz der genannten Hürden können B2B-Unternehmen Google-Bewertungen gezielt nutzen, vorausgesetzt, man kennt einige Fallstricke.

(1) Bewertungen im B2B gezielt einholen – der richtige Moment zählt
Im B2B ist es deutlich schwieriger Bewertungen zu bekommen, da einzelne Projekte schnell mal mehrere Wochen oder Monate dauern können. Der Projektabschluss ist der ideale Zeitpunkt, um Bewertungen zu generieren. Bitten Sie zufriedene Kunden konkret um eine Google-Bewertung, z. B. in einer Abschlussmail. Wichtig ist hierbei, mit Fingerspitzengefühl zu arbeiten und ihre Anfrage individuell zu formulieren und nicht auf einen automatisierten Massenversand zu setzen.

(2) Bewertungen im B2B dauerhaft behalten – Formulierungen mit Fingerspitzengefühl
Damit Google-Bewertungen im B2B bestehen bleiben, kommt es nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die richtige Wortwahl und den Kontext an. Schon kleine Unachtsamkeiten können zur Löschung führen.

  • Offene Hinweise auf Geschäftsbeziehungen vermeiden
    Google berücksichtigt bei der Bewertung einer Rezension nicht nur den Inhalt, sondern auch den Zusammenhang, in dem sie abgegeben wurde. Wer in einer Bewertung explizit auf die eigene Geschäftsbeziehung hinweist, wie etwa mit Formulierungen „langjähriger Partner“, „enge Zusammenarbeit“ oder „wir kooperieren regelmäßig mit diesem Anbieter“, der signalisiert eine direkte Verbindung. Das wirkt aus Sicht von Google nicht unabhängig genug und kann zur Löschung führen, selbst wenn die Bewertung inhaltlich ehrlich und sachlich ist. Stellen Sie daher nicht den geschäftlichen Rahmen in den Vordergrund, sondern beschreiben Sie die Zusammenarbeit konkret. Aussagen wie „zuverlässige Projektbegleitung“ oder „kompetente Unterstützung bei der Umsetzung“ genügen, um Qualität und Erfahrung zu transportieren, ohne Misstrauen zu wecken.

    Neben der Formulierung, ist auch darauf zu achten, dass man mit dem bewertenden Unternehmen nicht öffentlich verlinkt ist, nicht gegenseitig auf Social Media auftritt oder sich wechselseitig bewertet, denn dies kann ebenfalls von Google erkannt werden und zu einer Löschung der Bewertung führen. Idealerweise bewertet nur eine Seite öffentlich, die andere nutzt alternative Kanäle wie Referenzen oder Fachportale.
  • Rein werbliche Aussagen vermeiden
    Google stuft Rezensionen mit stark werblicher Sprache oft als verdächtig ein, selbst wenn sie ehrlich gemeint sind. Aussagen wie „Top-Dienstleister, absolut empfehlenswert!“ oder „bester Partner, jederzeit wieder!“ wirken generisch und ähneln typischen Marketingbotschaften. Solche Formulierungen erhöhen das Risiko einer Löschung, da sie von Googles Algorithmus als unecht oder beeinflusst interpretiert werden können.

    Stattdessen sollten Bewertungen so konkret wie möglich formuliert sein. Aussagen wie „verlässlicher Support während der ISO-Zertifizierung“ oder „klare Kommunikation im mehrmonatigen ERP-Rollout“ wirken glaubwürdig, nachvollziehbar und liefern gleichzeitig nützliche Informationen für andere potenzielle Kunden.

(3) Der Umgang mit Google-Bewertungen – zwischen Wertschätzung und Vorsicht
Auch im B2B gilt, dass eine Antwort auf eine Bewertung Wertschätzung, Professionalität und Transparenz zeigt. Gleichzeitig birgt sie im B2B-Kontext ein höheres Risiko, da sie einen engeren geschäftlichen Zusammenhang offensichtlich werden lassen kann. Deshalb ist Zurückhaltung in der Formulierung besonders wichtig. Wenn in der Antwort auf eine Bewertung die geschäftliche Beziehung bestätigt wird, wie z. B. durch „Danke für die tolle Zusammenarbeit im Projekt XY“, kann Google daraus auf einen Interessenkonflikt schließen. Auch Aussagen wie „Wir freuen uns auf weitere gemeinsame Projekte.“ oder „Schön, dass Sie mit unserer Leistung als langjähriger Partner zufrieden waren.“ bestätigen öffentlich eine Beziehung zwischen Bewertendem und Bewertetem. Solche Aussagen sind für Google daher ein Indiz für Befangenheit und führen zur nachträglichen Löschung der Bewertung, auch wenn sie bereits veröffentlicht wurde.

Wie also richtig reagieren? Statt auf die konkrete Geschäftsbeziehung einzugehen, ist es besser, seine Antwort allgemein zu formulieren, wie „Vielen Dank für Ihr Feedback, es freut uns, dass Sie mit unserer Leistung zufrieden waren.“ Des Weiteren sollten keine Projektnamen, Branchen oder internen Abläufe erwähnt werden. Je weniger Rückschlüsse auf eine Zusammenarbeit möglich sind, desto besser. Auch Standardantworten wie „Vielen Dank für Ihre Bewertung!“ bei jeder Rezension, können auffällig wirken und sollten daher nicht in Serie erscheinen. Besser sind individualisierte, aber neutrale Formulierungen.

(4) Gelöschte Google-Bewertungen – was jetzt zu tun ist
Selbst, wenn alle formalen Anforderungen erfüllt sind, kann es vorkommen, dass Google eine Bewertung löscht, etwa weil sie zu positiv formuliert ist, von einem neu erstellten Konto stammt oder durch Algorithmen als potenziell werblich eingestuft wird. Das ist besonders ärgerlich, wenn die Bewertung authentisch und verdient war.
In solchen Fällen kann eine erneute Bewertung helfen. Die Voraussetzung hierfür ist, dass sie neutraler und konkreter formuliert wird. Sachliche Beschreibungen liefern nicht nur Google weniger Angriffsfläche, sondern wirken auch auf potenzielle Kunden glaubwürdiger, weil sie echte Einblicke in die Zusammenarbeit geben, ohne nach Werbung zu klingen. Wichtig ist dabei auch das Timing: Eine direkte Neuveröffentlichung kann ebenfalls verdächtig wirken. Besser ist ein kurzer Abstand von einigen Tagen.

5. Fazit

Google-Bewertungen sind längst mehr als gutes Marketing, sie sind ein wichtiges Signal für externen Trust. Ihre Inhalte sind öffentlich sichtbar, maschinell lesbar und werden von KI-Systemen verwertet. Gerade im B2B-Umfeld ist der Aufbau solcher Bewertungen jedoch sehr anspruchsvoll, aber dennoch möglich. Wer die Plattformlogik versteht, authentisch formuliert und Vertrauen sichtbar macht, verbessert nicht nur seine Reputation, sondern nutzt Google Bewertungen als strategischen Hebel, um in KI-Systemen Sichtbarkeit zu erlangen.

Zusätzlich empfiehlt sich der Aufbau von Bewertungen auf Plattformen wie ProvenExpert, Trustpilot oder Facebook, die geschäftliche Kontexte oft differenzierter behandeln. Denn was im echten Leben nach Qualität klingt („seit Jahren Kunde“) wirkt für den Algorithmus wie ein Risiko.

© Adobe Stock / Supatman

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