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„Strategie ist ein großes Wort. Oft übergroß. Wenn es im Meeting fällt, erstarren alle zur Salzsäule, und jeder hofft auf den Messias, der den Weg weist. Doch man muss sich bewusst machen, dass Strategie oft nur das probate Mittel für die Schwachen ist. Strategie ist wichtig…[].. für den, der es mit schierer Leistung nicht schafft.“

Diese Passage zum Thema Strategie entstammt aus dem Buch „Momentum“, das von den beiden legendären Agenturgründern Holger Jung und Jean Remy von Matt 2002 veröffentlicht wurde. Es spiegelt sehr schön die Ambivalenz wieder, welche das Thema Strategie beherbergt: Auf der einen Seite unnahbar, schwer greifbar und überlegen – auf der anderen Seite überflüssig und durch den Alltag leicht auszuhebeln. 

Die Diskussion rund um die Bedeutung und den richtigen Umgang mit dem Thema Strategie wurde in den letzten Jahren befeuert. Die Herausforderungen der Zeit wie z. B. die digitale Transformation verlangen von Unternehmen eine derart hohe Änderungsgeschwindigkeit, dass ausgeprägte Strategie-Projekte kaum eine Chance haben, umgesetzt zu werden. Neue Ansätze wie Consulting 4.0, wo es eher auf die Umsetzung und sukzessive Weiterentwicklung der Strategie ankommt, versuchen diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Es ist aber zu beachten: Die Diskussion um den Begriff und die Bedeutung rund um Strategie dauert schon seit Jahrhunderten an.

Wir haben 10 Zitate bedeutender Menschen zusammengetragen, die das Phänomen Strategie von verschiedenen Seiten streifen. Dabei bleiben wir nicht im Marketing oder der Betriebswirtschaft, sondern begeben uns in das Lager der Militärstrategen, Wirtschaftsdenker – und Lenker, Sportler und Politiker: 

Lesezeit:  4 min

1. Carl Philipp Gottfried von Clausewitz:

„Die Strategie ist eine Ökonomie der Kräfte.“

Fällt der Begriff Strategie, so fällt schnell auch der Name Clausewitz. Sein Buch „Strategie denken“ findet man im Regal jedes Strategieberaters, der etwas auf sich hält. Clausewitz (1780 – 1831) war ein preußischer Generalmajor, Heeresreformer, Militärwissenschaftler und -ethiker. In dem Zitat von Clausewitz spiegelt sich wider, dass sich Strategie auf das Wesentliche zu konzentrieren hat. Dies ist weitaus effizienter als alle Details mit allen Eventualitäten genau durchzuplanen. „Friktionen“ führen nämlich dazu, dass selbst kleine unvorhergesehene Ereignisse einen Detailplan schnell unbrauchbar machen können.

 

Von 663highland – Eigenes Werk, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4876792

2. Sun Tzu:

„Strategy without tactics is the slowest route to victory, tactics without strategy is the noise before defeat.“

Sun Tzu war ein chinesischer General, Militärstratege und Philosoph. Eine Strategie, die man nicht umsetzt, ist der langsamste Weg zum Sieg. Eine Umsetzung ohne überhaupt einen Plan zu besitzen, bedeutet von vornherein die Niederlage. Dieses Zitat ist weitgehend selbstredend und auf alle Lebensbereiche gut anwendbar.

 

3. Norman Schwarzkopf:

„Leadership is a potent combination of strategy and character. But if you must be without one, be without strategy.“

Das nächste Zitat kommt ebenfalls aus dem Militärlager. Norman Schwarzkopf war ein berühmter US-amerikanischer General und sowohl im Vietnamkrieg als auch im Golf Krieg im Einsatz. Auch Schwarzkopf relativiert die Wichtigkeit der Strategie fundamental. Seiner Ansicht nach wird Strategie überschätzt und für die Führungsaufgabe wenig hilfreich. Das, was einen wahren Führer ausmacht sind die Charaktereigenschaften. Der Charakter eines Führers hat Einfluss auf sein Gefolge. Nur mit seinem Charakter gelingt es ihm sein Gefolge zu überzeugen und in die richtige Richtung zu lenken.

 

 

Von Jeff McNeill – https://www.flickr.com/photos/jeffmcneill/5789354451/in/photostream/, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15597498

4. Peter Drucker:

„Culture eats strategy for breakfast.“

In Zeiten, in denen Unternehmen gerade voll mit der (Digitalen) Transformation beschäftigt sind, bekommt man dieses Zitat wohl am häufigsten zu lesen. Mit diesem Zitat wechseln wir vom Militär in die Betriebswirtschaft. Peter Drucker (1909 – 2005)war ein US-amerikanischer Ökonom österreichischer Herkunft und veröffentlichte zahlreiche einflussreiche Werke über Theorie und Praxis des Managements. Auch Drucker betont die Machtlosigkeit der Strategie, wenn ihr mit der (Unternehmens)-Kultur etwas – aus Denker-Sicht – weitaus Profaneres entgegensteht. Das Zitat drückt zugleich aus, wir klar er das Kräfteverhältnis in Richtung Kultur empfindet.

By Cmproject – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62381341

5. Michael E. Porter:

„The essence of strategy is choosing what not to do.“

Den Namen Porter kennt wohl jeder BWLer nach dem ersten Semester. Michael E. Porter ist ein US-amerikanischer Ökonom und Universitätsprofessor für Wirtschaftswissenschaft. Sein Zitat unterstreicht das vage Element von Strategie und dass es darum geht, zu wählen und Entscheidungen zu treffen.

Von Hamilton83 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19433918

6. Jack Welch:

„In reality strategy is actually very straightforward. You pick a general direction and implement like hell.

Welch war 20 Jahre lang Vorsitzender und CEO bei General Electric. Passend zu seiner weltbekannten hands on mentalität lässt Welch ebenfalls keinen Zweifel daran, auf was es für den Erfolg ankommt. Strategie schön und gut, aber auf die konsequente Umsetzung kommt es darauf an.

Von User:Wmeinhart – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6258708

7. Jung von Matt:

„Strategie ist also ein Wort, vor dem alle Respekt haben. Überall, wo es auftaucht, löst es Demut aus.“

Die beiden genialen Werber-Ikonen Holger Jung und Jean-Remy von Matt haben diesen Satz weniger gemacht, um die Strategie auf den Sockel zu heben, sondern weil sie sich darüber ärgern. Auch die beiden Kreativen sehen Strategie als ein völlig überschätztes Phänomen. Sie sehen klar die Leistung eines Unternehmens im Vordergrund. Wenn diese überlegen ist, benötigt man keine Strategie. Man muss die Leistung nur ausführen, ob Sportler oder Unternehmen. Strategie ist nach ihrer Sicht ein probates Mittel der Schwachen.

Von Steve Lott – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26362012

8. Mike Tyson:

„Everybody has a plan until they get punched in the mouth.“

„Then, like a rat, they stop in fear and freeze.“Der gefürchtete und berüchtigte Ex Boxer war in seiner aktiven Zeit ein Boxertypus, wie ihn die das Publikum liebte. Ein Streetfighter aus der Unterschicht befördert alle Gegner auf die Bretter, in dem er ohne geniale Technik so hart zuschlägt wie kein anderer. Vor diesem Hintergrund verwundert seine Sicht auf Strategie nicht. Als er einst vor einem seiner Kämpfe gefragt wurde, wie er seinen nächsten Kampf angehe und dass sein nächster Gegner ein genialer Techniker und Stratege sei, antwortete der amerikanische Boxer mit diesem Satz.

9. Savielly Tartakower:

„Tactics is knowing what to do when there is something to do; strategy is knowing what to do when there is nothing to do.“

Tartakower (1887 -1956) war ein polnisch-französischer Schachmeister und Buchautor. Im Schachspiel hat man die Pflicht immer einen Zug zu machen. Die Möglichkeit eine Runde zu überspringen bzw. auszusetzen, wenn man nicht weiß, in welche Richtung man mit welcher Figur am besten gehen sollte, gibt es nicht. Die Aussage unterstreicht das mehrstufige und Antizipierende von Strategie. Sie spielt beim Schach eine große Rolle: Eine der größten Herausforderungen dieses Denksports liegt demnach darin, einen strategischen Schritt zu machen, wenn keine offensichtlich gewinnbringenden Züge ersichtlich sind und gleichzeitig, wenn Handeln erforderlich ist, einen taktischen Zug zu machen.

Von Olaf Kosinsky – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45734243

10. Gerhard Schröder:

„Wenn man erst einmal als Machtmensch angesehen wird, der alles kühl plant, gerinnt der Zufall zur Strategie.“ 

… „Doch häufig ist es weit weniger Strategie, als man es vermutet.“ In seiner 1996 publizierten Autobiographie formuliert der ehemalige deutsche Bundeskanzler diesen Satz. Diesen kann man einfach so stehen lassen.

Fazit

Was ist also Strategie nun wert?

Betrachtet man die Zitate, so hat der Großteil den Tenor, Strategie nicht zu ernst zu nehmen. Dennoch gehen auch diese kritischen Stimmen nicht so weit, der Strategie die Existenzberechtigung abzusprechen. 

Das „Mosaikbild Strategie“, dass sich aus diesen „Zitat-Mosaiksteinchen“ ergibt, erinnert mich an das Filmende von „Königreich der Himmel“. Der Monumentalfilm aus 2005 handelt von den ersten Kreuzzügen und den jahrelangen Schlachten um die Heilige Stadt Jerusalem. Der Anführer der Kreuzzügler, der junge König Balian (gespielt von Orlando Bloom) hat tapfer lange das eingekesselte Jerusalem verteidigt, um dann doch die Waffen strecken zu müssen. Saladin, der Anführer seiner Widersacher aus dem Morgenland gewährt ihnen freies Geleit. Als sie die Stadt verlassen trifft Balian auf Saladin. Balian fragt Saladin völlig entkräftet und desillusioniert:

„Was ist Jerusalem eigentlich wert?“

Saladin schaut etwas mitleidig und fängt an laut zu lachen. Dann erwidert er inbrünstig:

„Nichts!“ 

und geht weiter… 

Balian guckt ihm hinterher. Saladin dreht sich noch einmal um, breitet seine Arme aus und ruft noch einmal laut lachend und etwas aufmunternd:

„Alles!“

Saladin geht weiter, dreht sich nicht mehr um und lässt den nachdenklichen König Balian mit seiner Frage alleine…

 

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